Folge 48 / Abnehmspritzen in der Risikoprüfung: Hype, Wirkung & Versicherbarkeit
Shownotes
In Folge 48 von Biometrie2Go geht es um einen Trend, der inzwischen auch in der Versicherungs- und Risikoprüfungspraxis angekommen ist: sogenannte Abnehmspritzen.
Nadine, Jessica und Panos ordnen ein,
- warum Abnehmspritzen aktuell so präsent sind,
- welche Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro dahinterstehen,
- wie GLP-1-basierte Wirkstoffe den Blutzucker, die Magenentleerung und das Hungergefühl beeinflussen,
- warum diese Wirkstoffe ursprünglich aus der Diabetes-Behandlung kommen,
- wann die Medikamente bei Adipositas oder starkem Übergewicht verordnet werden können,
- weshalb die Therapie immer auch Ernährung, Bewegung und Lebensstiländerung umfasst,
- welche Gewichtsverluste möglich sind und warum viszerales Fett dabei besonders relevant ist,
- welche Kosten auf Patientinnen und Patienten zukommen können,
- wann die gesetzliche Krankenkasse zahlt – und wann eher nicht,
- welche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Unterzuckerung, Schwindel oder Erschöpfung auftreten können,
- warum ärztliche Begleitung und passende Dosierung so wichtig sind,
- weshalb das Absetzen der Medikamente häufig zu erneuter Gewichtszunahme führen kann,
- und was all das für BU-Antrag, Risikovoranfrage und Versicherbarkeit bedeutet.
Besonders wichtig für die Risikoprüfung: Ein kurzfristiger Gewichtsverlust allein reicht für eine fundierte Einschätzung nicht aus. Entscheidend sind unter anderem Therapiedauer, Ausgangsgewicht, aktueller BMI, Begleiterkrankungen, Stabilität des Gewichtsverlaufs, Lebensstiländerungen und möglichst aussagekräftige ärztliche Unterlagen.
Fazit der Folge: Abnehmspritzen können Betroffene motivieren und unterstützen. Die Grundlage bleibt aber eine nachhaltige Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensänderung.
Transkript anzeigen
00:00:09: Unbekannt Gerade stoße ich auf eine Frage, die ich nicht aus dem Stehgreif beantworten kann. Mein Kunde hat einen neuen Beruf. Muss ich das dem Versicherer melden?
00:00:20: Unbekannt Meine Mandantin ist seit drei Jahren berufsunfähig. Darf sie was dazu verdienen? Berufsunfähigkeit oder Grundfähigkeit? Ist das wirklich ein Entweder oder? Diese und jede Menge weiterer Fragen beschäftigen täglich viele Versicherungsvermittler. Wenn das auch bei dir so ist, dann bist du hier genau richtig. Egal ob Berufsunfähigkeit, Dienstunfähigkeit, Grundfähigkeiten oder Unfallversicherung. Folge für Folge liefern wir in unserem Podcast Antworten zu allen deinen Fachfragen rund um die große Welt der Biometrie.
00:00:55: Unbekannt Hier ist Biometrie to go, Dein akustisches Nachschlagewerk von und mit der bayerischen.
00:01:04: Unbekannt Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Biometrie to go. Mein Name ist Nadine und ich bin Biometrie, Spezialistin im Team der Bayerischen. Mit mir im Studio sind heute auch wieder Jessy und Panos. Hallo ihr zwei. Hallo ihr beiden. Hallo zusammen! Ja, wie schön, dass wir heute wieder vollzählig sind. Ja, finde ich auch. Was haben wir denn heute Spannendes vor?
00:01:23: Unbekannt Ja, Vielleicht könnt ihr euch daran erinnern, dass wir im letzten Jahr das Thema Übergewicht behandelt haben. Ja, das stimmt. Das war die Folge 42, wenn ich mich richtig erinnere. Ganz genau. Da haben wir ziemlich ausführlich darüber geredet, warum Übergewicht eine wichtige Rolle bei der Risikoprüfung spielt. Ja, und heute wollen wir uns ja sozusagen mit genau dem gegenteiligen Trend beschäftigen.
00:01:45: Unbekannt Lass mich raten. Es handelt sich bestimmt um dieses allseits präsente Thema, dem Abnehmen. Würde jetzt gerne hier so ein Feuerwerk reinstellen. Jessy. Nein, du hast recht. Richtig. Genau darum geht es heute. Und jetzt habe ich eine Vermutung. Ja, vermutlich. Panos, liegst du wie immer richtig. Heute sprechen wir ein Thema an, das gerade überall in den Schlagzeilen ist. Die sogenannte ab dem Spritze.
00:02:10: Unbekannt Oh ja, das ist wirklich ein gutes Thema. Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber irgendwie habe ich persönlich das Gefühl, dass es aktuell wirklich ein regelrechter Hype ist, den mittlerweile nicht mehr nur die Promiwelt betrifft. Ich sehe es persönlich nämlich auch immer häufiger in unseren Risiko vor Anfragen. Da muss ich dir recht geben. Ich habe es auch ziemlich oft in der letzten Zeit.
00:02:34: Unbekannt Ja, und genau deswegen sprechen wir heute darüber. Das Thema ist tatsächlich brandaktuell und wir sehen in der Risikoprüfung immer häufiger Antragsteller, die diese Medikamente nutzen. Und das ist auch das richtige Wort dafür das Wort Medikament. Wir sprechen hier von Medikamenten wie zum Beispiel oder Mund. Zum Glück musstest du diese Wörter aussprechen. Panos. Möchtest du den Zuhörerinnen und Zuhörern kurz erläutern, was das für Präparate sind und wie sie wirken?
00:03:00: Unbekannt Ja, gerne. Die enthaltenen Wirkstoffe in diesen Medikamenten, die armen körpereigene Hormone nach wie zum Beispiel das Hormon GLP eins, das ist ein natürliches Darmhormon, das nach der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet wird. Und dieses Hormon dient ja dazu, den Blutzucker zu regulieren, die Insulin Freisetzung zu stimulieren, die Magenentleerung zu verlangsamen und auch das Hungergefühl im Gehirn zu hemmen. Im Gegensatz aber zu einem echten Hormon haben diese Präparate eine deutlich längere Halbwertszeit, das heißt, sie wirken länger und deswegen reicht es je nach Präparat, wenn Sie zum Beispiel einmal am Tag oder vielleicht sogar einmal in der Woche ins Unterholz Fettgewebe gespritzt werden.
00:03:55: Unbekannt Okay. Ja, aber meines Wissens nach sind das jetzt keine neuen Wirkstoffe, oder? Die gibt es eigentlich ein bisschen länger. Nein, sind sie es nicht. Schon seit circa 20 Jahre werden solche Wirkstoffe eingesetzt. Nach der Recherche, die ich gemacht habe, wurde das erste entsprechende Medikament im Jahr 2005 als eine Injektion unter der Haut, also als subkutane Injektion für Typ zwei Diabetiker zugelassen.
00:04:26: Unbekannt Mit der Zeit wurde die gewichtssenkende Wirkung des Medikaments aus Zulassungsstudien dann bekannt und solche Arzneimittel wurden auch schon bei adipösen Personen genutzt. Sozusagen off Label. Ja, und diese Medikamente sind meines Wissens rezeptpflichtig, das heißt ein Arzt muss sie verordnen und vielleicht wollen wir da noch mal drauf eingehen, in welchen Fällen diese verschrieben werden. Für Patienten mit Diabetes Typ zwei ist klar, Was das Übergewicht angeht, ist es ja so Die Medikamente sind zugelassen für Erwachsene mit einem BMI über 30, also eine ganz klare Diagnose Adipositas.
00:05:09: Unbekannt Bei einem BMI zwischen 27 und 30 kann zum Beispiel Mund verordnet werden, wenn zusätzlich mindestens eine Erkrankung, die gewichtsbedingt ist, vorliegt, zum Beispiel Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte oder so. Okay, ja, das klingt ja schon logisch, dass da ja eine Behandlung stattfinden sollte. Aber diese Therapie besteht nicht nur aus Spritzen, oder? Nein, auf keinen Fall. Also die Therapie umfasst neben der Spritze auch eine kalorienreduzierte Ernährung sowie erhöhte körperliche Aktivität.
00:05:49: Unbekannt Sonst funktioniert das Spiel nicht richtig gut. Ja, und ich lese auch immer wieder Berichte von Anwendern darüber, dass es wirklich wirkt. Das stimmt. Es gibt ja verschiedene Studien dazu. Ich habe jetzt neulich in einer Studie gelesen, dass der durchschnittliche Gewichtsverlust bei den Anwendern bei circa 15 % lag. Also das ist schon eine ordentliche Gewichtsabnahme. Die Probanden hatten aber zusätzlich eine Lebensstil Intervention, so wie ich vorhin gesagt habe, in Form von regelmäßiger individuelle Beratungsgespräche.
00:06:24: Unbekannt Sie sollten bei Ihrer Ernährung mindestens 500 Kilokalorien täglich weniger einnehmen und Sie sollten in der Woche mindestens 150 Minuten Sport betreiben. Und nicht nur das als als positiv, also der Gewichtsverlust, sondern neben dem Gewichtsverlust reduzierte sich auch dieses Körperfett signifikant. Das ist ein sehr ungünstiger Situation. Ficker ales Fett ist dieses Fett, was tief im Bauchraum liegt und die inneren Organe umgibt.
00:06:59: Unbekannt Und das ist deswegen gefährlich, weil dieses Fett ist ein stoffwechselaktives Gewebe und gibt Fettsäuren und entzündliche Proteine direkt in die Leber ab und durch die Medikamente. Eben ist es ein sehr guter Nebeneffekt, dass dieses Körperfett signifikant sinkt. Okay, das klingt ja alles schon mal ziemlich positiv deswegen da die Frage Was kostet diese Therapie eigentlich? Eine sehr gute Frage.
00:07:30: Unbekannt Die monatlichen Kosten liegen je nach Mittel und Dosierung zwischen ungefähr 130 und 500 €. Das ist schon eine Stange im Monat. Ja, und da fragen sich bestimmt viele, ob die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Na ja, wenn die Verschreibung aufgrund Diabetes ist, werden die Kosten der Regel von der GKV übernommen. Und die Patienten oder der Patient muss ja nur die übliche Zuzahlung tragen.
00:07:55: Unbekannt Anders sieht es aber aus, wenn die Verschreibung aufgrund an die Positas erfolgt. Und das ist anders, weil schon seit 2004. Wenn ich mich nicht täusche, wurden Medikamente zum Abnehmen, also genannte Lifestyle Medikamente eingestuft und somit sind sie als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Ja auch irgendwo verständlich, weil wie gesagt, man sollte ja auch bei die Hypes wirklich gut beobachten, weil jede Medaille hat zwei Seiten und deswegen finde ich, sollte man auch hier gerade mal über die Nebenwirkungen reden.
00:08:33: Unbekannt Also bis auf diese positiven Sachen, die du genannt hast, was hat das alles noch zusätzlich für Folgen? Oder könnte es haben, wenn man, wenn man sich zum Beispiel die Website von Monja besucht, da kann man ja einige Nebenwirkungen finden. Und wie mit allen Medikamenten muss man ein bisschen vorsichtig sein mit der mit der Ausbreitung der Zahlen sozusagen. Also als häufige Nebenwirkungen werden Magen Darmbeschwerden berichtet, wie zum Beispiel Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Übelkeit.
00:09:09: Unbekannt Aber diese Symptome, die dritten, besonders zu Beginn der Behandlung auf und mit der Zeit klingeln sie dann ab. Andere Symptome, die jetzt nicht so häufig, aber häufig genug, um erwähnt zu werden auftauchen, sind es Unterzuckerungen, niedriger Blutdruck, Schwindel oder Erschöpfung? Fakt ist, eine Patientin oder eine Patient sollte immer die Medikation bzw die Dosierung genau mit dem Arzt abstimmen und auch überwachen.
00:09:37: Unbekannt Ja und ich würde das ganze jetzt mal so als eine Art neuen Hype auch beziffern. Und da ist natürlich die Frage jetzt wieder zurückkommt auf unser Produkt, die Berufsunfähigkeit und die Versicherbarkeit. Ist das positiv für die WHO oder eher ein Problem? Das kann man wie immer nicht pauschal beantworten. Eine entscheidende Frage ist zum Beispiel, wie nachhaltig diese Erfolg ist.
00:10:01: Unbekannt Der Einsatz gegen den Depositas. Das muss man verstehen, bedarf in der Regel eine lebenslangen Anwendung. Studien zeigen, dass das Absetzen des Medikaments nach einem Jahr kann dazu führen, dass du wieder ungefähr 65 % von dem zuvor abgenommenen Gewicht wieder zunimmst. Bei jedem Patient besteht also das Risiko, dass nach der Abnahme eine deutliche Gewichtszunahme erfolgen kann. Und das ist insbesondere dann, wenn das Gewicht nur medikamentös gehalten werden kann und die Medikation abgesetzt wird.
00:10:39: Unbekannt Ja, da muss man sich doch fragen, warum sollte man es überhaupt abbrechen? Aber wie viele Menschen brechen es dann auch wirklich ab? Also dazu gibt es unterschiedliche Studien vom vom Land zum Laden zum Beispiel. In Dänemark gibt es eine Studie, die sagt ja, 45 % haben nach fünf Jahren mit dem aufgehört. In den USA und in Großbritannien gibt es eine andere Studie, die sagt Ja, nach 24 Monaten, also nach zwei Jahren, haben 65 % schon aufgehört.
00:11:09: Unbekannt Der häufigste Grund? Machen wir uns nichts vor, sind die hohen Behandlungskosten. Das ist für mich irgendwie verständlich und nachvollziehbar. Absolut. Und jetzt mal auf deine Frage zurückzukommen, Nadine Die ist ein Produkt, was über Jahrzehnte kalkuliert ist. Ein kurzfristiger Gewichtsverlust ist also kein dauerhafter Sicherheitsgewinn. Solange die Medikation nicht stabil fortgeführt wird. Wenn man also jemanden der Risikopprüfung hat, der zum Beispiel gerade jetzt seit einem Monat, zwei Monate, drei Monate die Abnehmspritze nutzt und dadurch abgenommen hat, sollte man vielleicht für eine kurze Zeit zurückstellen und abwarten, wie sich das entwickelt.
00:11:52: Unbekannt Anders sieht es aus, wenn eine längere Anwendungsdauer da ist. Komplikationsfrei. Dann kann man positiver werten. Ja, welche Infos wären denn sonst noch so relevant? Weil du hast ja gerade gesagt, man muss wirklich darauf achten, dass das Gewicht dann auch langfristig gehalten werden kann. Aus meiner Perspektive die erste und wichtigste Info ist war diese Gewichtsverlust gewollt oder medizinisch indiziert, also medizinisch notwendig?
00:12:20: Unbekannt Wenn es medizinisch notwendig war, dann sollte man ja noch dazu sagen oder in der Risikoanfrage niederschreiben, welche Beschwerden oder welche Diagnosen vorlagen. Auch wenn der Gewichtsverlust gewollt war, sollte man vielleicht zusätzlich prüfen, ob es eine Essstörung vorliegt. Andere Punkt Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? Wie hoch war das Gewicht zu Beginn der Therapie? Wie ist die Entwicklung? Wie ich vorhin erwähnte, diese Patientinnen und Patienten sind angehalten, so eine Art Tagebuch zu führen, sozusagen, wo sie regelmäßig ihr Gewicht überwachen.
00:13:01: Unbekannt Für die Beurteilung kann das auch eine sehr große Hilfe sein, um zum Beispiel das Durchschnittsgewicht zugrunde zu legen für die Berechnung. Was hat der Interessent außer der Spritze sonst vorgenommen? Um sein Gewicht dauerhaft unter Kontrolle zu bekommen? Hat er seine Ernährung umgestellt oder nicht? Betreibt er jetzt Sport? Wenn ja, in welchem Umfang? In welcher Häufigkeit? Alle diese Daten können die anderweitig unterstützen.
00:13:30: Unbekannt Letztendlich eine Entscheidung zu treffen. Und wenn man mich fragt in solchen Situationen würde ich definitiv einen aussagekräftigen Bericht vom behandelnden Arzt anfordern und einreichen. Das wird alle entscheidenden Infos liefern. Ja, ich würde jetzt zusammengefasst dazu für mich sagen, es ist eine interessante Möglichkeit, die aber genau überlegt sein sollte. Ja, da muss man sich definitiv Gedanken machen, ob man diesen Weg gehen möchte.
00:13:57: Unbekannt Deswegen, das sehe ich definitiv genauso. Da habt ihr vollkommen recht. Ich meine, Grundlage für jede Behandlung sollte nicht nur die Spritze sein, sondern eine gesamte Veränderung von der Ernährung, vom Bewegungsverhalten. Smustern müssen geändert werden. Die Abnehmspritze kann eine sehr gute Motivation sein und kann auch die Betroffenen unterstützen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Der Rest macht es dann richtig nachhaltig.
00:14:24: Unbekannt Das ist ein schönes Fazit zum Schluss. Panos Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge angekommen. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, das war die 48. Folge Biometrie to go. Wenn ihr unseren Podcast gut findet, empfiehlt uns gerne an Kolleginnen und Kollegen weiter. Wir freuen uns auch riesig über eine Bewertung. Gebt uns dafür ein paar Sterne bei Spotify, in Apple Podcasts oder einem Streamingdienst eurer Wahl.
00:14:48: Unbekannt Damit unterstützt ihr uns und sorgt dafür, dass wir auch in Zukunft spannende Folgen rund um die Biometrie Welt liefern können. Viele Grüße von mir und bis zur nächsten Folge. Wir hören uns. Tschüss! Bleibt einfach dran. Bleibt neugierig. Die Biometrie Welt entwickelt sich immer weiter. Bis zum nächsten Mal.
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